Draußen 0 °C, Nieselregen, drinnen 22 °C – und irgendwo hält sich hartnäckig das Gerücht: „Im Winter frisst die Wärmepumpe Strom ohne Ende.“ Das stimmt manchmal – aber fast nie wegen „Winter“ an sich. Entscheidend ist, wie die Anlage geplant, hydraulisch eingebunden und eingestellt ist (und ob sie zum Gebäude passt).
In diesem Artikel schauen wir deshalb nicht nur auf Prospektwerte, sondern auf Realbetrieb: Abtauzyklen, Bivalenzpunkt, Puffermanagement und Heizkurven-Feintuning – und wie sich das auf COP/JAZ, Betriebskosten und CO₂ auswirkt.
Kurzfazit (für Eilige)
- Luft-Wasser-Wärmepumpen sind im Winter meist effizient, weil der Großteil der Heizsaison in vielen Regionen nicht bei -15 °C stattfindet, sondern häufig rund um den Gefrierpunkt. Beispiel Linz: Klimanormalperiode 1991–2020 liegt der Jänner im Mittel ungefähr um 0 °C. Stadt Linz
- Feldmessungen zeigen gute Jahresarbeitszahlen (JAZ): im Mittel etwa 3,4 (Luft-Wasser) und 4,3 (Erd-/Sole-Wasser). Der Heizstab-Anteil war dabei im Schnitt sehr klein (z. B. ~1,3 % bei Luft-Wasser, ~0,1 % bei Sole-Wasser). Fraunhofer ISE
- Gegenüber Öl sinken die CO₂-Emissionen massiv: UBA/AT gibt u. a. für Heizöl ~352 g CO₂-Äq/kWh und für Stromaufbringung AT ~226 g CO₂-Äq/kWh an (konkrete Werte hängen vom Bilanzansatz ab). Umweltbundesamt
- Die „Winter-Probleme“ sind in der Praxis meist Einstell- und Systemthemen: zu hohe Vorlauftemperaturen, „falscher“ Puffer, Takten, falscher Bivalenzpunkt. klimaaktiv weist explizit darauf hin, dass Heizkurven oft zu hoch eingestellt sind und Pufferspeicher nicht pauschal „Pflicht“ sind. Klimaaktiv+1
Winter ist nicht gleich Winter (und das hilft der Wärmepumpe)
Bernd Neudorfer bringt es im Gespräch auf den Punkt:
„Der Winter von früher (wochenlang -15 °C und meterhoch Schnee) ist in vielen Lagen nicht mehr die Norm. Und das spielt der Wärmepumpe technologisch in die Karten – denn jede Wärmepumpe liebt milde Außenluft.“
Klar: Es gibt Kälte-Spitzen. Aber die Frage ist, wie viele Stunden pro Jahr Sie wirklich in diesen Extrembereichen heizen. In der Praxis liegen viele Heizstunden deutlich näher bei 0 °C als bei -15 °C – und genau dort arbeitet eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe typischerweise sehr solide.
COP, SCOP, JAZ: Die Kennzahlen, die wirklich zählen
Damit wir sauber vergleichen, kurz die Begriffe:
- COP: Momentaufnahme unter definierten Bedingungen (z. B. Außenlufttemperatur und Vorlauf).
- SCOP: saisonaler COP nach Normprofilen.
- JAZ (Jahresarbeitszahl): entscheidend im echten Leben – Wärmeabgabe über das Jahr / Stromaufnahme über das Jahr.
Wichtig: Prospekt-COPs werden unter standardisierten Prüfbedingungen gemessen (typische Prüf-/Betriebspunkte werden z. B. in EHPA-Unterlagen mit A7/W35 & Co beschrieben). European Heat Pump Association
Für Ihre Kosten zählt am Ende: Welche Vorlauftemperatur braucht Ihr Haus? Und wie sauber ist die Anlage eingestellt?
Luft-Wärmepumpe vs. Erdwärme im Winter: Wo liegen die echten Unterschiede?
Luft-Wasser-Wärmepumpe (Außenluft als Quelle)
Plus:
- Einfacher und meist günstiger zu installieren (kein Bohr- oder Grabungsaufwand)
- Sehr gut für modernisierte/gedämmte EFH mit niedrigen Vorlauftemperaturen
Winter-Realität:
- Bei Temperaturen um 0 °C und hoher Luftfeuchte kommt es zu Abtauzyklen (dazu gleich mehr).
- Die Leistung sinkt mit fallender Außentemperatur, deshalb ist der Bivalenzpunkt relevant.
Erd-/Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdreich als Quelle)
Plus:
- Stabilere Quellentemperaturen im Winter
- In der Praxis häufig höhere JAZ (Feldmessung: im Mittel ~4,3). Fraunhofer ISE
Trade-off:
- Mehr Aufwand (Bohrung/Kollektor) und höhere Investition, dafür oft „stressfreier“ im tiefen Winterbetrieb.
Abtauzyklen: Was passiert da – und wie sehr kostet das?
Wenn die Außeneinheit einer Luft-Wärmepumpe bei feuchter Kälte vereist, muss sie abtauen. Das ist normal und gehört dazu.
Was viele unterschätzen:
- Abtauung passiert besonders gern rund um den Gefrierpunkt, wenn die Luft feucht ist.
- Abtauung ist kein „Fehler“, sondern Betriebszustand.
- Problematisch wird es erst, wenn Abtauungen unnötig häufig sind (Aufstellort, Luftkurzschluss, Vereisung durch Tropfwasser, falscher Volumenstrom etc.).
Praxis-Tipp: Ein sauberer Aufstellort (frei, nicht „eingekastelt“), korrekte Kondensatführung und richtige Hydraulik sind hier Gold wert.
Bivalenzpunkt & Heizstab: Der Mythos „Heizstab = Stromfresser“
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe nicht mehr alleine die Heizlast deckt und eine Zusatzwärmequelle (oft Heizstab) unterstützt.
Zwei wichtige Punkte:
- Ein Heizstab ist nicht per se schlecht – schlecht ist, wenn er zu oft und zu früh läuft.
- Feldmessungen zeigen: Wenn Anlage & Gebäude passen, ist der Heizstab-Anteil oft sehr gering: In einer großen Fraunhofer-ISE-Auswertung lag der Anteil elektrischer Zusatzheizung im Mittel bei etwa 1,3 % (Luft-Wasser) bzw. 0,1 % (Sole-Wasser). Fraunhofer ISE
Das ist genau der Unterschied zwischen „richtig geplant & fein eingestellt“ und „läuft irgendwie“.
Puffermanagement: Der versteckte Effizienz-Killer
Pufferspeicher können sinnvoll sein – aber sie sind nicht automatisch effizient. In der Praxis sehen wir häufig zwei typische Fallen:
- Zu heißer Puffer: Wenn der Puffer dauerhaft auf unnötig hohe Temperaturen gehoben wird, sinkt die Effizienz.
- Mischmasch bei Kombispeichern: Werden Heizungsbetrieb und Warmwasser nicht sauber getrennt, arbeitet die Wärmepumpe öfter auf „Warmwasser-Niveau“, obwohl Raumheizung viel niedrigere Temperaturen bräuchte.
Genau darauf weisen auch Praxis-Auswertungen hin: Wenn die Trennung von Warmwasser- und Heiztemperaturniveau nicht sauber umgesetzt ist, leidet die Effizienz. Fraunhofer ISE
Und klimaaktiv formuliert sehr klar: Pufferspeicher sind nicht grundsätzlich erforderlich – entscheidend ist die richtige Systemauslegung (Übertemperatur möglichst niedrig, Takten vermeiden). Klimaaktiv
Heizkurve fein einstellen: Der größte Hebel im Winter
Wenn wir ein „Winter-unzufrieden“-Haus sehen, liegt es erstaunlich oft hier:
- Heizkurve zu hoch
- Nachtabsenkung zu aggressiv (führt morgens zu „Nachheizen“ mit hohen Vorläufen)
- Volumenstrom/Hydraulik nicht sauber
klimaaktiv weist ausdrücklich darauf hin, dass in der Praxis Heizkurven häufig zu hoch eingestellt sind – und genau das kostet Effizienz. Klimaaktiv
Mini-Checkliste (Winter-Finetuning):
- Vorlauf so niedrig wie möglich (Komfort zuerst, dann schrittweise absenken)
- Gleichmäßiger Betrieb statt „hoch/runter“
- Hydraulik checken (Volumenstrom, Abgleich)
- Warmwasser-Zeiten sinnvoll legen (z. B. nicht genau in die kälteste Phase)
Vergleich im Alltag: Luft-WP vs. Erdwärme vs. Öl vs. Pellets (Effizienz, Kosten, CO₂)
Vergleich: Wie viel Wärme gibt 1 Einheit Energie?
Beispielhafte Darstellung (Realwerte hängen von Gebäude, Vorlauf und Einstellung ab). Wärmepumpen basieren hier auf typischen Feldmessungs-JAZ (Luft ~3,4 / Erd ~4,3).
Hinweis: Öl/Pellets zeigen hier einen typischen Nutzungsgrad (vereinfachte Annahme). In der Realität variieren Kessel (Zustand, Regelung, Teillast), ebenso Wärmepumpen (Vorlauf, Hydraulik, Abtauung, Bivalenzpunkt).
Beispiel: Betriebskosten & CO₂ pro Jahr (vereinfachte Musterrechnung)
Annahmen: 15.000 kWh Wärmebedarf/Jahr, Luft-WP JAZ 3,4, Erd-WP JAZ 4,3, Öl η 0,90, Pellets η 0,88. Preise: Strom 0,25 €/kWh, Heizöl 1,20 €/l, Pellets 0,30 €/kg.
| System | Energieeinsatz | Energiekosten | CO₂ (kg/Jahr) |
|---|---|---|---|
| Luft-Wärmepumpe | 4.412 kWh Strom | 1.103 € | 997 |
| Erdwärmepumpe | 3.488 kWh Strom | 872 € | 788 |
| Ölheizung | 1.566 l Heizöl | 1.879 € | 5.867 |
| Pelletsheizung | 3.551 kg Pellets | 1.065 € | 443 |
Diese Rechnung ist bewusst vereinfacht: Wartung, Grundgebühren, Kamin/Kehrung, Lieferlogistik, Raumtemperatur, Vorlauf, Regelung und tatsächliche Energiepreise sind nicht enthalten. Für CO₂ wurden typische Emissionsfaktoren herangezogen (Stromaufbringung AT, Heizöl, Pellets).
Effizienz: „Wie viel Wärme bekomme ich aus 1 Einheit Energie?“
- Wärmepumpe: pro 1 kWh Strom typischerweise mehrere kWh Wärme (JAZ entscheidet).
- Öl/Pellets: pro 1 kWh Brennstoffenergie typischerweise < 1 kWh Nutzwärme (Kesselwirkungsgrad, reale Verluste, Taktung, Abgasverluste).
CO₂: Ein Beispiel mit offiziellen Emissionsfaktoren
Für eine grobe Orientierung können Emissionsfaktoren helfen. Das Umweltbundesamt nennt (je nach Bilanzierung) z. B. Größenordnungen wie:
- Heizöl: ~352 g CO₂-Äq/kWh
- Holzpellets: ~26 g CO₂-Äq/kWh
- Stromaufbringung Österreich: ~226 g CO₂-Äq/kWh Umweltbundesamt
Wichtig: Das sind Faktoren für Energieflüsse – Ihre realen Werte hängen vom Tarif, vom Strommix, vom System und vom Gebäude ab.
Förderung ab 2026 (Sanierungsoffensive) – kurz erklärt
Ab 2026 läuft die Sanierungsoffensive 2026 mit den Schwerpunkten „Kesseltausch“ und „Sanierungsbonus“. Vorgesehen sind jährlich 360 Mio. Euro (2026–2030), insgesamt 1,8 Mrd. Euro; die Gesamtförderung ist mit max. 30 % der förderungsfähigen Investitionskosten begrenzt und kann mit Landesförderungen kombinierbar sein. Österreich
Für den Kesseltausch im EFH/RH nennt das Infoblatt u. a.:
- Registrierung/Antragstellung ab 24.11.2025, längstens bis 31.12.2026 (solange Budget vorhanden)
- Nach Registrierung 9 Monate Zeit für Umsetzung & Antrag
- Maximalförderung Wärmepumpe 7.500 Euro, plus mögliche Boni (z. B. Bohrbonus) und Deckelung auf max. 30 %. sanierungsoffensive.gv.at+1
Call to Action: Wir helfen unseren Kundinnen und Kunden immer auch bei der Abwicklung der Förderung – von der passenden Systemwahl bis zu den Unterlagen.
FAQs zu diesem Artikel
Ja – die Frage ist eher, ob sie bei dieser Temperatur noch alleine die Heizlast deckt oder ob (kurz) Zusatzwärme nötig wird.
Häufig rund um 0 °C mit hoher Luftfeuchte. Aufstellort, Luftführung, Volumenstrom und Regelung beeinflussen die Häufigkeit stark.
Oft effizienter (stabilere Quelle), aber teurer in der Umsetzung. Wirtschaftlichkeit hängt vom Gebäude, den Erdarbeiten und der geplanten Betriebsweise ab.
Die Außentemperatur, ab der eine Zusatzwärmequelle unterstützt. Entscheidend ist die richtige Wahl und Einstellung.
Nicht automatisch. Falsches Puffermanagement kann Effizienz kosten; Systemauslegung ist entscheidend.
In der Praxis oft einer der größten Effizienzhebel, weil zu hohe Vorläufe direkt JAZ kosten.

